Habermas für Anfänger

Kultur | 18.06.2009

http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4336960,00.html

Wer ist Habermas? Ein Streber, ein Unruhestifter, ein schwer verständlicher Theoretiker und ein Global Player. Der Mensch und das System Habermas im Schnelldurchlauf.

Lebensprojekt Geisteswissenschaft

Ist Habermas ein Verwundeter? Aufgrund einer angeborenen Artikulationsschwäche erfährt er in der Schule öffentliche Bloßstellung. Diese Erfahrung prägt sich tief in das Bewusstsein des jungen Mannes ein. Ein vernünftiges kommunikatives Miteinander, das wird zu seinem Lebensprojekt. Werden wir in einem Gespräch durch ein besseres Argument überzeugt, so drückt sich für Habermas darin die kommunikative Vernunft von Sprache aus. Sie ist für ihn die Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft. Funktioniert die Kommunikation nicht, aus welchem Grund auch immer, dann regieren Gewalt, Willkür und Intoleranz.

Habermas entwickelt dieses Konzept zu seiner “Theorie des kommunikativen Handelns”. Sie wird zum Meilenstein der Geisteswissenschaften. Später kommt die wegweisende Diskurstheorie hinzu. Er selbst fasst sie mit folgenden Worten zusammen: “Unter dem Stichwort Diskurs führe ich die durch Argumentation gekennzeichnete Form der Kommunikation ein, in der problematisch gewordene Geltungsansprüche zum Thema gemacht und auf ihre Berechtigung hin untersucht werden.”

Ein Streber?

– vor dessen unbändiger Neugier man ruhigen Gewissens den Hut ziehen kann. Als Student bewegt er sich quer durch sämtliche Wissenschaften: Philosophie, Geschichte, Psychologie, deutsche Literatur, Ökonomie. Vor allem aber das Philosophiestudium bei Hans-Georg Gadamer schärft Habermas’ Blick auf Sprache und Kommunikation. Der hermeneutische Ansatz Gadamers, der die Philosophie als Kunst des Verstehens beschreibt, prägt sein Denken. 1961 reicht er seine Habilitationsschrift “Strukturwandel und Öffentlichkeit” ein – sie wird zum Klassiker der Medienwissenschaften. Davor arbeitet er einige Zeit als freier Journalist und als Forschungsassistent von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Später lehrt er an verschiedenen Universitäten, kehrt jedoch immer wieder nach Frankfurt zurück. 1964 übernimmt er den Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie von Horkheimer. Hier geht er 1994 auch in den Ruhestand. In den 70er Jahren ist er Co-Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg.

Ein Unruhestifter?

– vor dessen Stimme man nirgends sicher ist. In den 70er Jahren mischt er mit innovativen Diskussionen die junge Disziplin der Sozialwissenschaften auf. Als Schüler der “Frankfurter Schule”, die von Adorno und Horkheimer begründet wurde, trägt er deren “Kritische Theorie” aus ihrem wissenschaftlichen Elfenbeinturm hinaus in die gesellschaftliche Öffentlichkeit. Bereits in den 50er Jahren tritt Habermas für demokratische Reformen der Hochschulen ein. Bekannt ist vor allem seine Rolle als geistiger Anreger der 68-Studentenbewegung. Seine anfängliche Sympathie für diejenigen, die bereit waren, eine alternative Öffentlichkeit herzustellen, kippt aber kurze Zeit später. Er lehnt die radikalen und gewaltbereiten Auswüchsen der Bewegung ab. In diesem Zusammenhang sagt er, die Ansichten des Studentenführers Rudi Dutschke seien “linker Faschismus”. Habermas bedauert diese Äußerung später.

Zu abstrakt?

Rede zum Friedenspreis des Deutschen BuchhandelsBildunterschrift: Rede zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Habermas schreibt auch für die Praxis. Er mischt sich konsequent in alle großen politischen und gesellschaftlichen Debatten ein. Seine Kommentare zum aktuellen Zeitgeschehen sind angewandte Übersetzungen seiner Werke. Denkanstöße will er geben, für ein stabiles demokratisches Fundament in der Gesellschaft Mitte der 80er Jahre löst er eine breit geführte Auseinandersetzung zum deutschen Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit aus – den so genannten Historikerstreit. Er denkt in den 90ern laut über die negativen Folgen des Globalisierungsprozesses nach. Zehn Jahre später hält er öffentliche Vorträge vor Studenten in China über Menschenrechte, Demokratie und Freiheit. Er äußert sich skeptisch zur Eugenik, zur Terrorismusdebatte und der Weltwirtschaftskrise. Für seine gesellschaftskritischen Theorien und sein öffentliches Engagement wird er 2001 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.

Ein deutscher Staatsphilosoph?

– nein, ein Global Player. Habermas gilt als einer der meistbeachteten Philosophen der Gegenwart. Seine Werke sind in über 30 Sprachen übersetzt. Von zahlreichen internationalen Universitäten hat er die Ehrendoktorwürde, große Preise und Ehrungen, wie der Adorno-Preis und der Kyoto-Preis, würdigen Habermas weltweit.

Ganz nebenbei ist Jürgen Habermas Ehemann und Familienvater. Mit seiner Frau Ute Wesselhoeft, die er 1955 heiratet und mit der drei Kinder hat, lebt er ganz unmondän am Starnberger See.

Autor: Matthias Mayr
Redaktion: Elena Singer

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